Ganz zufällig bin ich letzten Samstag in eine ADAC Reiseführer-Fotoreportage gekommen. Wir waren in Saalbach-Hinterglemm und wollten eigentlich die neue X-Line am Schattberg unter die Räder nehmen, aber schlussendlich kam es dann ganz anders.
Daniel, der Parkshaper und ein Bekannter von uns, drückte uns 2 Liftkarten in die Hand und bat uns eine “kleine” Freeridetour mit ihm zu unternehmen, weil er unbedingt noch Leute für eine Fotoreportage brauchte. Der Journalist, der Fotograf und die holländische Bikeführerin erwarteten uns schon und nach kleinem Brezelfrühstück um 9 (wir hatten schon 3 Stunden Autofahrt hinter uns) ging‘s zur antiquierten Kohlmaisbahn, wo uns Peter, der Fotograf, im guten Licht vor die Linse holte. Oben angekommen dasselbe Spiel. Nach einer kurzen Abfahrt führten uns Daniel und Verony in einen wurzeligen Single Trail, der uns sehr zu schaffen machte. Ausgerüstet mit Vollvisierhelm und Protektoren wurde uns schnell die Luft knapp, anders als gewohnt mussten wir aufwärts treten statt abwärts rocken. Peter radelte geschickt voraus und gab uns immer wieder Anweisungen, wie wir uns in Szene setzen mussten: alle hintereinander treten, 1 m Abstand zwischen uns Vieren, Rad über Weidezaun drüber heben, alle nacheinander, in der Gruppe zusammenstehen und unserem “Guide” Daniel beim Erklären zuhören…
Wanderer lieben Mountainbiker!
Während wir uns schleppend von der Kohlmaisbahn Richtung Asitzbahn bei Leogang bewegten, begegneten wir auf dem Trail immer wieder super-freundlichen Wanderern, die uns anfeuerten, vom schönen Wetter schwärmten und sich bei ungeschickten Aktionen unsererseits auch ein aufmunterndes Schmunzeln erlaubten. In Südtirol hab ich das noch nie erlebt: Wanderer und Biker benutzen in Saalbach-Hinterglemm denselben Trail ohne Probleme. Miteinander statt gegeneinander. Ein schöner Gedanke, der in Österreich lange schon Realität ist.
Rock’n'Roll in Leogang
Nach unendlichem Radgeschiebe und Wurzelgekraxele kamen wir auf den Asitz-Berg, unser 1. Etappenziel. Hier wieder Foto mit und ohne Panorama. Auf unser Drängen hin, rollten wir zur “Flying Gangster” Freeridestrecke im Bikepark Leogang, um wenigstens ein bisschen Bikepark-Feeling zu atmen. Wahnsinn, was da los war, die Strecke voll von Bikern aus Spanien, Italien, Slowenien, Österreich und Deutschland, am Lift unten Wartezeiten von 10 Minuten. Wenn die Seilbahngesellschaften bei uns gesehen hätten, was da los war, die hätten sofort den Bagger bestellt und selber Strecken gebaut.
Aus Zeitmangel ließen wir die Mittagspause aus, fuhren mit der Asitzbahn wieder hoch und dann nach einer 15 minütigen Schiebepassage samt Fotoshot über eine elendslange Forststraße nach Schönleiten, von wo aus wir über den Radweg nach Saalbach treten mussten. Daniel, dem wir diesen ungewöhnlichen Tag zu verdanken hatten, ist auf der Radpiste mit seinem 22 kg Bike völlig eingegangen, Markus mit seinem Izimu hat Migräne gekriegt. Jaja, wenn Downhiller aufwärts müssen, kommt nichts Gscheits raus.
An der Schattberg Talstation verabschiedeten wir uns von Shaper Daniel, Journalist Alex, Fotograf Peter und von Vroni (österreichisch für Verony). Wir tauschten Kontaktdaten aus, wünschten einander alles Gute und wollten nun die X-Line testen. Markus aber, bleich im Gesicht und trüb in den Augen, war zum Testen nicht mehr zu gebrauchen, ich selbst komplett fertig, unterzuckert, durstig und hungrig. Also fuhren wir mit dem Radl geradeaus nach Hinterglemm weiter und von da flugs nach Hause.
Und die Moral von der Geschicht‘:
Aufwärtsfahren mögen wir nicht! Spaß beiseite: Ich war total von den Socken als ich gesehen habe, wie viele Biker und Wanderer jetzt im September noch in Saalbach-Hinterglemm unterwegs waren. Während wir in Südtirol die Zeit zwischen August und Törggelen mit Pauschaltouristenbussen überbrücken müssen, boomt in Österreich der Individualtourismus. Wir verschlafen hier schon wirklich alles und schieben dem Biketourismus sogar noch einen Riegel vor, in dem wir Bikern ihren Sport auf diversen Wegen verbieten. Gute Nacht!



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