13.08.2009 - 10:02       Geschrieben von Michi

Zimmer frei!


Die Krise, die Krise, ja, sie scheint jetzt auch den Tourismus erwischt zu haben. Kaum zu glauben, aber wahr: im Kronplatzgebiet gibt es jetzt zu Ferragosto freie Zimmer, wenn man den Zimmer-Frei Meldungen Glauben schenken möchte. Vor ein paar Jahren noch unvorstellbar, heute bittere Realität.


Treffen tut es nicht nur die Großen, auch die kleinen Betriebe vermelden auf der kronplatz.com Seite freie Zimmer. Was ist passiert?- fragen sich die Gastwirte. Nun, aus der Sicht einer Nicht-Hotellierin und Hobby-Stammtisch-Touristikerin würde ich ganz bös antworten: “Die Stammgäste sterben euch weg, für die Jungen gibt‘s hier nichts. Außer kräftig jedes Jahr dazu zu bauen, nichts gewesen.”

Wie gesagt, das war bös geantwortet. Aber irgendwo hab ich doch recht oder? Der Sommertourismus im Kronplatzgebiet war nie so stark wie jener in Sexten oder Innichen von mir aus. Geschweige denn der Herbsttourismus, wo Meran und das Eisacktal mit dem Törggelenkult Touristen fangen.

Für den Urlaub im Kronplatzgebiet fehlt einfach ein Aufhänger. Ein guter Grund hier her zu kommen. Will ich in die Dolomiten geh ich nach Alta Badia, für Gletschertouren geh ich ins Tauferer Ahrntal und wieso komm ich zum Kronplatz?

Diese Frage muss zuerst einmal gestellt und beantwortet werden, bevor man alles auf die Krise schiebt!

PS: Und wie oben erwähnt: wie ernst man die Zimmer-Frei Meldungen nehmen will, muss jeder für sich entscheiden.





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  1. Hubert  13.08.2009 - 19:18

    Sagen wir mal so: der Krise-Virus trifft jene Orte / Betriebe am stärksten, bei denen das Immunsystem ohnehin schon geschwächt ist.

    Was ein starkes Immunsystem ausmacht ist klar:
    a) klar definierte Zielgruppen
    b) passende Angebote pro Zielgruppe
    c) eine klare Positionierung

    Meines Erachtens fehlt in Südtirol vielerorts vor allem die klare Positionierung die sich dadurch auszeichnet, dass der Gast mit einem Urlaubsort klare Vorstellung hinsichtlich des Angebotes in diesem Ort verbindet. Wenn die Postionierung nicht klar ist wird er – besonders in Krisenzeiten – auf “Marken” setzen, sprich sich für einen Ort entscheiden wo er genau weiss was ihn erwartet. Die Krise bedeutet nicht unbedingt dass die Gäste weniger ausgeben, sondern vielmehr dass sie weniger “riskieren” eine Fehlentscheidung zu treffen bzw sich mehr für das nun wervollere (weil knappere) Geld erwarten.



  2. Wolfgang  13.08.2009 - 21:02

    …und genau in diese Kerbe schlägt die Strategie der SMG! :)
    Und stimmt: so begehrt eine Destination auch ist: bei einem relativ großen Angebot an Unterkünften gewinnnen meist jene Betriebe, welche sich ein klares Profil gegeben haben!
    Eines der Probleme das man häufig sieht: Hotels haben zwar ein Profil aber sie kommunizieren dies nicht! Sie haben eindeutige USBs gegenüber der Konkurrenz und dennoch steht das Haus halb leer. Redet man mit dem Hotelier sieht man ein: das Haus ist gut! Nur guckt man dann auf die Website sieht man nichts mehr von dem.

    Mitunter, wie ich finde, ein Fehler der von den Internetagenturen mitzuverantworten ist. Wieviele stellen beim Erstellen der Website die Frage: Was ist dein USB? Dein einzigartiges Verkaufsversprechen? ….und setzten das dann um?
    von 10 Agenturen 1 wenns hoch kommt!

    @ Michi: und schon sind wir komplett weg vom Thema ;) Sorry



  3. Kurt Resch  14.08.2009 - 0:23

    Es krieselt nicht nur in Südtirol, auch am Meer, in Tirol, in der Schweiz…
    Nicht vergessen: wir haben eine Wirtschaftskriese, die nicht nur in den Köpfen der Leute spukt.
    Ich glaube nicht dass die Gäste jetzt mehr nach Kärnten gehen, nur weil die die besseren Hotels, die bessere Werbung oder die bessere Lage als andere Regionen haben.

    Nur ein gutes Hotel zu haben ist nicht genug. Eine Wellnessanlage, die 10 Mio Euro gekostet hat ist sicher eine Aufwertung, aber kein Garant für eine bessere Auslastung.
    Gästen muss man etwas einzigartiges verkaufen, ein Abenteuer, ein Erlebnis.

    Welche Region hat denn eine klare Positionierung und setzt diese auch konsequent durch. Die Studien verschwinden doch alle in den Schubladen.

    Seit Jahren nimmt der Wandertourismus immer mehr ab, ich habe bis mitte Juli nur Senioren auf den Wanderwegen gesehen. Für die Jugend ist Südtirol nicht interessant. Österreich und die Schweiz geben Gas, Südtirol pennt.

    Meiner Meinung nach krieselt es zu wenig, wir brauchen eine richtige Watschn, damit die lieben Touristiker im Lande aufwachen.
    Aber die werden wohl eher zum Land kriechen und um mehr Geld betteln…



  4. Hubert  14.08.2009 - 9:38

    @ Wolfgang: ganz plakativ gesprochen bräuchte es auf der Startseite der Hotelhomepage einen Bereich mit dem Namen “10 Gründe für einen Aufenthalt in unserem Hotel”. So könnte das Hotel die eigenen USBs am klarsten kommunizieren … aber so etwas ähnliches habe ich auch auf suedtirol.info nicht gefunden – oder vielleicht habe ich auch nicht ausreichend gesucht ? ;)



  5. Hanspeda  14.08.2009 - 9:41

    jetzt spricht der Pusterer in mir.
    Es ist doch ganz klar warum Meran beliebter ist. Blicken wir mal zurückm, wie viel die öffentliche Hand in die Destination gesteckt hat…

    Therme & Hotel, Trauttmansdorff, Pferderennplatz… Alles mit öffentlichen Geldern bezahlt. Wir hier im Pustertal dürfen uns auf das Messner Mountain Museum freuen (was wir natürlich auch tun…) – der Rest wird alles privat finanziert. Wenn diese Analgen alle um Bruneck stehen würden, dann ist das Zimmer-Frei-Problem gestorben. ;)

    Aber wir wollen nicht “lärmen”… wollte ich nur mal sagen :)



  6. Evelin  14.08.2009 - 9:44

    Einen guten Riecher hatten wir genau jetzt unserer Ressourcen zu bündeln und das Kronplatz-Resort ins Leben zu rufen… das Konzept kommt an und wie!
    Habe heute morgen im Radio eine positive Nachricht im Zuge einer Umweltstudie gehört, danach soll der Tourismus nach der Krise um 4% zunehmen und auch die einzige Branche sein, die sich schnell erholen wird. Also nun gilt es Fahnen hoch halten, Preise und Qualität halten!



  7. Hubert  14.08.2009 - 9:56

    @ Hanspeda: hast recht …. es wäre sicherlich mal interessant eine Studie zu sehen / zu machen die aufschlüsselt wieviel öffentliche Gelder in Form von “tourismusrelevanten” Infrastrukturen & Werbung in die einzelnen Gebiete in Südtirol investiert werden und gegebenenfalls wie sich dies auf die touristische Entwicklung ausgewirkt hat … :)



  8. Benno  14.08.2009 - 11:19

    @Michi, @Wolfgang,@Hanspeda, @Hubert: und ich dachte immer in Meran wären Gästegruppen über 50 ;-) .
    In meinen Meran-Aufenthalten sehe ich immer noch diese Gruppenschicht.
    @ Wolfgang: Die SMG machen sicherlich nicht eine falsche Arbeit, doch Sie bewirbt eine Destination die unterschiedlicher nicht sein kann, bleiche Berge im Osten und westlicher Alpenhauptkamm im Westen der mit Dolomiten nichts zu tun hat um nur ein Beispiel zu nennen.

    Ich glaube es wird soweit kommen dass auch im Pustertal Törggele – Zeit im Herbst angeboten wird. Klimawandel und Wirtschaftskrise machens möglich. ;-)

    Und zu den USP http://de.wikipedia.org/wiki/Alleinstellungsmerkmal gibt es immer Mitläufer und Kopierer bzw. diejenigen die sich sagen Betten und Wandermöglichkeiten gibt es vor meinem Haus auch.



  9. Michi  14.08.2009 - 16:28

    “Meiner Meinung nach krieselt es zu wenig, wir brauchen eine richtige Watschn, damit die lieben Touristiker im Lande aufwachen.
    Aber die werden wohl eher zum Land kriechen und um mehr Geld betteln…”

    Dieser letzte Satz: der bringts wohl auf den Punkt…



  10. gustav  14.08.2009 - 19:12

    Hmmm, spannende Diskussion, und jeder hat auf seine Art recht, nur verstehe ich nicht ganz euren Begriff USB …

    Ihr meint wohl die USPs oder :-) … unique selling proposition



  11. Hubert  14.08.2009 - 23:21

    @ gustav: hehe, danke für den Hinweise. Natürlich waren die Alleinstellungsmerkmale (USPs) und nicht das externe Speichermedium gemeint :) .

    Wobei ich eigentlich lieber von UVP spreche (unique value proposition), weil es geht ja darum einen “Wert” (value) zu bieten und nicht nur darum etwas zu verkaufen, richtig? (@ gustav: falls jemand mal fälschlicherweise UVB schreiben sollte: es geht nicht um Ultraviolettstrahlung, sondern wir sind immer noch beim Thema Marketing ;) )



  12. Clara  16.08.2009 - 10:57

    Ab heute haben z.ka 100 Betriebe Betten frei. Auch hier spürt man die Kriese. In dieser schlechtgen Zeit merkt man das die SMG (Südtiroler Marketing Gesellschaf) nicht imstande ist das Land Südtirol zu vermarkten. Nicht nur die SMG sonder auch BLS (Business Location Südtirol) ist nicht imstande neue Betriebe in Südtirol anzusiedeln.



  13. Hanspeda  16.08.2009 - 11:49

    naja Clara. “Nicht im Stande” ist bißchen krass gewählt…

    Ich finde zu dieser Zeit im die Abfragen auf HRS und Booking.com spannend. Wer hat noch frei – also man kann sich da ein gutes Bild machn…



  14. Benno  17.08.2009 - 10:29

    Clara ich denke die SMG hat Ihre Bere
    chtigung. Natürlich wenn Betriebe sich gut vermarkten dann sollte es keine freien Kapazitäten geben. Ich spreche von Kanälen, Stammgäste-Haltung, Neue Kunden, Attraktivität steigern, Angebot halten und erweitern (qualitativ in erster Linie).
    Es geht darum dass heutzutage es nicht mehr genügt nur Zimmer anzubieten und hoffen dass die die in die Region kommen meine Zimmer buchen… Ich denke wir müssen für Groß und Klein, für Jung und Alt Mehrwert bieten.
    In der Region bei dir Clara gibt es ja auch Betriebe die sich von der Maße abheben und auch Zimmer “auf den Bergen” anbieten. Nicht für Jeden aber sicher ein Beispiel



  15. Hubert  17.08.2009 - 12:20

    Im wissenschaftlichen Bereich gibt es derzeit eine interessante Diskussion in Bezug auf die Thematik “Destinations Management versus Resort Management”. “Destinations Management” war vor 10 Jahren das Buzz-Wort schlechthin. Zwischenzeitlich vertreten immer mehr Wissenschaftler die Meinung, dass eine Destination zu inhomogen ist um sie sinnvoll und effizient vermarkten zu können. Deshalb blicken viele in Richtung “Resort Management” wo eine homogene Gruppe von Betriebe ihr Vermarktungsbudget bündelt und sich gemeinschaftlich vermarktet und teilweise auch in der Angebots- und Preisgestaltung kooperiert.

    Meiner Meinung nach braucht es sowohl das eine als auch das andere. Einerseits braucht es Destinations Management, weil eine Resortkooperation ihre eigene Marke über jene des Ortes stellt und somit der Ort zu wenig “Begehrlichkeit” erlangt. Andererseits braucht es Resort Management, weil dieses einen effizienteren Ressourceneinsatz und somit einen Wettberbsvorteil für die kooperierenden Betriebe sicherstellt.

    Den Erfolg macht sicher der richtige Mix aus beiden aus und dies rechtfertigt auch die Tätigkeit von SMG, Tourismusvereine und Tourismusverbände. Grundsätzlich kann man sagen, dass je schwächer die Marke der Destination ist, desto wichtiger werden Überlegungen in Richtung Resort Management.



  16. michi  17.08.2009 - 13:06

    @hubert: deswegen versteh ich nicht ganz warum die smg ihr Motto “Magie der Vielfalt” geändert hat. Dieser Slogan drückt doch genau aus, was unser Land ist.



  17. Hubert  17.08.2009 - 16:59

    @ Michi: da gebe ich dir absolut Recht. ich fand auch den Claim “Magie der Vielfalt” auch sehr treffend. Mit “Südtirol bewegt” kann ich mich auch nicht ganz anfreunden ;)



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