03.12.2009 - 12:04       Geschrieben von Hubert

Produktinnovation: weniger ist manchmal mehr!


In den vergangenen Jahrzehnten erfolgte  Produktinnovation fast ausschließlich durch die Erweiterung der Produkte mit neuen Funktionalitäten. So wurden Mobiltelefone mit immer neuen Funktionalitäten ausgestattet und das Leistungsspektrum von Tourismusdienstleistern ständig erweitert. Fast immer bedeutete diese Produkterweiterung eine Preiserhöhung und auch eine komplexere Bedienung des Produktes. Aber es geht auch anders: vor einigen Wochen habe ich mir einen Camcorder der Marke „Flip” (Flip Ultra HD) zugelegt und dafür ca. 200 € bezahlt. In diesem Preissegment bewegen sich die meisten Einsteigermodelle für digitale Videokameras. Das Besondere daran: diese Videokamera kann fast nix und hat schätzungsweise ¼ der Funktionalitäten der Mitbewerber. Sie hat aber worauf es (für mich) ankommt: sehr klein, ästhetisch ansprechend und liefert eine gute Aufnahmequalität. Aber vor allem haben sich die Entwickler Gedanken gemacht, welche Funktionalitäten ich wirklich brauche und dafür war ich ihnen so dankbar, dass ich das Produkt gekauft habe.

Auch im Tourismus gibt es einige Beispiele für “Produktentschlackungen”: beim 0-Sterne-Hotel beispielsweise wurde sämtlicher Komfort entfernt und dennoch findet das Hotel erheblichen Zuspruch. Der Gast weiss genau was ihn erwartet, was bei einem Großteil der Hotels nicht der Fall ist. Ausserdem bezahlt er nur für das auf was es ihm ankommt und zahlt keine Overheads für Strukturen die er gar nicht nutzt.

In Südtirol organisiert das „Hotel La Perla“, ein Hotel in Alta Badia, den „Tag des Schweigens“, wo sämtlichen Gästen und Angestellten für 24 Stunden das Sprechen untersagt wird und die Kommunikation ausschließlich über Block und Stift erfolgt. Dadurch entsteht eine ganz neue Erfahrung. Oder das „Essen im Dunkeln“ die mehrmals im Jahr im Hotel Plantitscherhof in Meran organisiert wird, wo die Gäste ohne jegliche Lichtquelle ihr Abendessen verzehren. Aber diese “Sinnesentschlackung” ist nur eine von vielen möglichen Innovationsrichtungen.

Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit und überlegen Sie, mit oder ohne die Unterstützung eines Beraters, wie sie Ihr Produkt „entschlacken“ können, um dadurch eine neue Erfahrung für Ihre Gäste, einen Wettbewerbsvorteil oder eine Preis-/Kostenreduktion zu erzielen. Überlegen Sie was ihr Gast wirklich will und was das Produkt „Urlaub in Südtirol“ im Kern ausmacht. Vielleicht entdecken Sie, dass dem Gast der Salat aus dem hoteleigenen Garten besser schmeckt, vor allem wenn er ihn selbst geerntet hat oder ihn zusammen mit ihnen auf dem Bauernmarkt gekauft hat. Und vielleicht schätzt er den Steinpilzereis mehr, wenn er sich zusammen mit anderen Gästen auf Pilzesuche gemacht hat. Sollte die Pilzesuche eine schwache Ausbeute erzielen, so können sie sich getröst mit einem Safranreis behelfen und der Gast wird Ihnen diesen Menüwechsel sicherlich nicht verübeln.





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  1. Schwarzwald_Mädl  25.01.2010 - 17:49

    Ich kann dem beipflichten. Mag auch keine Geräte mit zuviel schnickschnack.
    Das mit dem selber Salatplücken oder selber Pilze sammeln finde ich schon mal ganz gut. Wär doch ganz gut wenn die Gäste dann auch beim Kochen dabei sein dürften. Man könnte auch gemeinsame Wanderungen oder gemeinsame sporliche Aktivitäten anbieten. Auch Kurse im Malen, Töpfern oder Stricken zum Beispiel find ich gut.



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