Spät aber doch möchte ich auf einen Artikel aus der letzten Ausgabe des WIKU bezüglich der geplanten Einführung eines neuen Qualitätssiegels für Hotels in Südtirol eingehen. Ich stelle mir hier die Frage ob es wirklich Sinn macht, unsere Gäste durch ein wieder neues “Anhängsel” zusätzlich zu verwirren…
Grundsätzlich soll mit der Einführung des Qualitätssiegels die folgende Problematik gelöst werden: 4-Sterne Hotels in Südtirol verkaufen sich in der Nebensaison “unter Wert” um die Auslastung möglichst hoch zu halten und schaden durch dieses Preisdumping vor allem den 3-Sterne Betrieben, welche aufgrund der anfallenden Fixkosten nicht noch weiter mit den Preisen runter gehen können. Wer will schon ein 3-Sterne Hotel für 48 Euro wenn er ein 4-Sterne Hotel für 50 haben kann?
Ein grundlegendes Problem: die 4-Sterne Häuser sparen häufig, um zu diesen Preisen anbieten zu können, bei der “Software”, sprich beim Service, was der Gast letzten Endes zu spüren bekommt.
Durch ein unabhängiges Institut soll all das geprüft werden, was das Gesamtbild eines Hotel prägt: z.B. eine gute Küche und qualifiziertes Personal in allen Bereichen und zu jeder Zeit. Augrund der Ergebnisse soll dann das Qualitätssiegel verliehen werden oder nicht. Es soll regelmäßige Kontrollen geben und das “Q” soll alle 2-3 Jahre verfallen und muss neu erworben werden.
Ich persönlch finde diesen Schritt überdenkenswert:
(1) Zum Ersten wird der Gast durch eine weitere “Extrawurst” die Südtirol im Hinblick auf die Qualität von Betrieben brät mit Sicherheit verwirrt – schließlich ist dieser doch der Ansicht, dass die Qualität einheitlich durch die Sterne angegeben wird. Wieso soll er sich darauf nicht verlassen können? -> Unsicherheit beim Gast ist die Folge!
(2) Zum Zweiten gibt es sicherlich einige “schwarze Schafe”, dennoch sind doch viele 4-Sterne Betriebe in der Lage auch bei niedrigen Preisen erstklassigen Service zu bieten (z.B. glaube ich nicht, dass ein Hotelkoch in der Nebensaison “schlechter” kocht als in der Hauptsaison… auch wenn eine Küchenhilfe weniger zur Verfügung steht muss das nocht lange kein schlechtes Essen bedeuten.
(3) Zum Dritten kann eine derartige Prüfung grob daneben gehen. Ist der Koch (um wieder beim Beispiel “Küche” zu bleiben), gerade verliebt und versalzt die Suppe, dann gibt es kein “Q”, obwohl die Küche vielleicht ansonsten 1A ist!
(4) Zum Vierten kostet die wirklich kontinuierliche Prüfung dieser Betriebe viel Geld… um am Ende des Tages, wenn der anfängliche Hype um das Siegel wieder der Vergangenheit angehört, ist das “Q” auch nur wieder irgendein Symbol, welches man sich zur Not mit den notwendigen Beziehungen einfach “kaufen” kann…
Ich glaube da Sprechen “unabhängige Hotelbewertungen durch den Gast” (Stichwort Hotelbewertungplattformen im Web) doch eine deutlichere Sprache die dazu noch nichts kostet und Fehler zu weiten Teilen systembedingt vorab eliminiert.



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