„Coopetition“ ist ein Wort, das schon seit Jahrzehnten Einzug in die Industrie genommen hat, im Südtiroler Tourismus allerdings nur sehr vereinzelt Anwendung findet. Das Wort setzt sich aus Co-operation (Kooperation) und Competion (Wettbewerb) zusammen und verdeutlicht, dass es sich hierbei nicht um zwei widersprüchliche Konzepte handelt, sondern dass Unternehmen Wettbewerbsvorteile erzielen können wenn sie auch mit konkurrierenden Unternehmen kooperieren. Übertriebene Wettbewerbsgedanken und verkrapftes Gegeneinander-Arbeiten führen vor allem in Südtirol dazu, dass Wettbewerbschanchen ungenutzt bleiben bzw das Land Südtirol an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verliert. Einige Gedanken zu Kooperationen in der Hotellerie findet Ihr in den folgenden Absätzen:
Primäres Ziel einer Hotelkooperation muss es sein, die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des eigenen Betriebes über einen Kooperation zu verbessern. Je nach Kooperationsbereich, gibt es unterschiedliche „Unterziele“:
- Beschaffung / Einkauf
Beschaffungsmengen erhöhen -> von Mengenrabatten profitieren
- Produkt-/Angebotsentwicklung
Kostenersparnis, Gesamtangebot verbessern, attraktive Angebote schaffen
- Aufbau von Infrastrukturen
Ein attraktives Gesamtangebot entwickeln und Doppelgleisigkeiten vermeiden
- Distribution / Vertrieb
vorhandene Vertriebskanäle besser nutzen, neue Vertriebskanäle erschliessen
- Marketing
Marktpräsenz erhöhen
Von der Vorgehensweise her sollte mit Kooperationsbereichen begonnen werden die relativ einfach „reversibel“ sind, sprich wo sich die einzelnen Hotelbetriebe noch nicht zu stark exponieren. Ein guter Startpunkt ist immer eine Marketingkooperation die nach und nach auch das Thema Vertrieb und evtl das Thema Einkauf einverleibt. Am Ende dieser “Kennenlernphase” wird eine Stop-or-go Entscheidung getroffen: soll es zu einer noch engeren Kooperation kommen (Bsp. Gemeinsamer Bau von Infrastrukturen) oder soll man sich auf die umgesetzten Kooperationsbereiche beschränken? Oder soll vielleicht doch jeder wieder sein eigenes Süppchen kochen weil man alte Ungereimtheiten einfach nicht vergessen kann. Wenn man beschliesst die Kooperation zu vertiefen dann können in einem zweiten Schritt sicherlich die Bereiche “Angebotsgestaltung / Produktentwicklung” und “gemeinsame Infrastrukturen” angegangen werden.
Ich denke, dass wir uns alle einig sind, dass in einer Kooperation wesentliche Einsparungspotentiale stecken. Die Frage wie viel man davon effektiv nutzen will, hängt schlussendlich vom Konsens der einzelnen Beteiligten ab, am Erfolg einer solchen Kooperation mitzuwirken. Der Weg zu einem solchen Einverständnis führt nur über sehr viele und sicherlich auch intensive Verhandlungen, einer Philosophie des „Gebens und Nehmens“ und dem Beiseitelegen von alteingesessenem Konkurrenzdenken zugunsten der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Betriebes.


