19.02.2010 - 11:06       Geschrieben von Hubert

Angebotsgruppen und Tourismusorganisationen: Freunde oder Feinde


Zugegebenermaßen ist der Titel etwas polarisierend, birgt aber auch ein gutes Stück Wahrheit in sich. Auch in der akademischen Diskussion liest man häufig vom Resortmanagement (Zusammenschluss von ähnlichen Hotels, meist rund um ein Thema) als Gegenpol zum Destinationsmanagement (Vermarktung einer gesamten Region/eines Ortes mit sämtlichen Betrieben, egal ob klein oder groß). Wen’s interessiert, der kann diesbezüglich auch meinen Post “Bringt Destination Governance das Ende des Destination Managements” lesen.

Fakt ist, dass beide “Vermarktungskanäle” das beschränkte Marketingbudget der Hotels anzapfen. Fakt ist auch, dass es eine immer größer werdende Anzahl an Angebotsgruppen oder Hotelkooperationen gibt und dass sich immer mehr Tourismusvereine beschweren, dass sie Mitglieder verlieren. Vor allem wenn die austretenden Betriebe große Hotels sind, macht sich das beim Budget des Tourismusvereins stark bemerkbar. In diesem Zusammenhang könnte man auch in Frage stellen, ob das derzeitige Finanzierungssystem der Tourismusvereine angebracht sei, da der lokale Tourismusverein zu stark vom Wohlwollen seiner Mitglieder abhängt, aber in diese Diskussion möchte ich mich gar nicht weiter einbringen.

Zurück zur ursprünglichen Fragestellung. Thematische Angebotsgruppen für Hotels in Südtirol gibt es viele: Belvita, Wanderhotels, Mountainbiker, Vitalpina, Familienhotels, unsere Selected Hotels (www.selectedhotels.it) usw. Nicht selten nehmen Betriebe an mehreren Gruppen teil, wodurch gleich mehrere Zehntausend-Euro gebunden werden. Zusätzlich binden online Vermarktungsportale wie suedtirol.com, suedtirolerland, sudtirol.com u.a. zusätzliche Ressourcen. Beide Kanäle bringen konkrete und messbare Erfolgszahlen, die mit Internetstatistiken transparent dokumentiert werden können. Hinzu kommen Entscheidungen auf Ortsebene, die nicht immer geteilt werden, wie letzthin der Bau des Langlaufstadions in Toblach, und schon entscheidet sich ein Betrieb den Beitrag an den Tourismusverein nicht mehr zu zahlen. Nicht selten sind die Leidtragenden dann die Gäste, auf deren Rücken dann die lokalen Stellungskämpfe ausgetragen werden. So müssen in Toblach beispielsweise Gäste die in Nicht-Mitgliedsbetrieben untergebracht sind, für die Verwendung der Langlaufloipen bezahlen, während die anderen die Loipen kostenlos nutzen. Was irgendwo ja wieder seine Berechtigung hätte, weil die  Loipen werden ja mit den Mitteln des Tourismusvereines finanziert. Ausserdem sind die Tourismusvereine auch mit der sehr wichtigen Funktion der örtlichen Gästeinformation und der Angebotserstellung auf Ortsebene betraut. All diese Aufgaben sind zwar keine reinen Verkaufsmaßnahmen, aber durchauch verkaufswirksam.

Es ist abzusehen, dass in Zukunft die beschränkten Geldmittel der Hoteliers mehr denn je in die erfolgreichsten Vermarktungskanäle fließen werden. Sicherlich werden wir auch immer mehr lokale Hotelkooperationen sehen, die Marketingbudgets bündeln und sich – ähnlich wie der Tourismusverein – über den Ort profilieren. Wie sich dies auf die verfügbaren Budgets der Tourismusvereine auswirkt, wird sich zeigen.





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  1. Wolfgang  19.02.2010 - 14:38

    Ich denke nicht dass die Vermarktung von Hotelkooperationsgruppen als Konkurrenz zum Destinationsmarketing zu sehen ist. Die einen vermarkten die Unterkünfte, der anderen die Destination an sich. Diese ergänzen sich im Idealfall. Die Kampagnen der Vitlapina Hotels und der Familienhotels bspw. werden von der selben Media-Agentur in einen großen gemeinsamen Marketingplan eingewoben um für alle Seiten den bestmöglichen ROI zu ermöglichen. Auch für die meisten Tourismusverbände wird das mittlerweile so gehandhabt. Auch Investitionen von Hotels in Webportale machen Sinn, schließlich ergänzen diese die Vermarktung insgesamt nochmals was die Gesamtreichweite der Kampagnen wiederum erhöht.

    Die Aufgabe eines Tourismusvereins ist es nicht Marketing zu betreiben, sondern für die Infrrastrukturen, die Gästeinformation, für Events… also für das Produkt an sich zu sorgen. Ich denke es gibt viele Hoteliers die sich dessen noch nicht ganz bewusst sind und sich auch nicht bewusst sind, dass wenn am Ende des Tages das Produkt in der Destination aufgrund fehlender Gelder nicht passt, auch alle externen Marketingausgaben ins leere gehen. Gutes Marketing beginnt mit einem starken Produkt! Nicht umgekehrt!
    Ob die Finanzierung der Tourismusvereine auf dem richtigen Fuß steht darüber müsste man getrennt diskutieren. Wichtig ist aber auch, dass sich die Hoteliers der Wichtigkeit des Produktes an sich bewusst werden da man ansonsten bei aktuellen Gegebenheiten droht in ein klassisches Gefangenendilemma (http://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenendilemma) zu rutschen.



  2. Matthias  19.02.2010 - 16:09

    Ich muss dich leider korrigieren Wolfgang. In Toblach gibt es zwar durch den internen Streit um ausgetrene Mitglieder die +Card, doch bedeutet dies keineswegs, dass Gäste aus Nicht-Mitgliedsbetrieben für die Loipennutzung zahlen müssen und die Nutzung für andere Gäste kostenlos ist. Jeder Nutzer der Loipe muss die Loipenmaut entrichten. Es gibt auch keinerlei Unterschiede in der Preisgestaltung. Den einzigen Nachteil, den Gäste von Nicht-Mitgliedsbetrieben haben ist jener, dass sie keine Wochenkarte kaufen können.

    Wollte dies nur anbringen, damit die Fakten korrekt sind ;)

    Was deinen Beitrag angeht, so sehe ich das einzige Problem wirklich darin, dass die Finanzierung der Tourismusvereine in Südtirol einfach nicht geregelt ist. Würde die Finanzierung nicht auf dem Wohlwollen der Betriebe und damit purer “Freiwilligkeit” basieren, würde es nie zu Konkurrenzgedanken gegenüber Hotelkooperationen kommen. Die Betreuung und Information der Gäste vor Ort durch Veranstaltungen, gemeinsame Drucksorten, Wanderwege, Dorfgestaltung, Info-Dienst etc. ist meiner Meinung nach nicht wegzudenken und auch nicht ersetzbar. Dass Betriebe durch die Mitgliedschaft bei Hotelkooperationen zusätzliche Vertriebs- und Vermarktungsmöglichkeiten suchen und auch finden, steht dem meiner Meinung nach in keinster Weise im Weg – im Gegensatz: jede Destination kann sich doch nur wünschen auf eigenem Gebiet einige solcher Vorzeige-Betriebe zu haben.



  3. Matthias  19.02.2010 - 16:14

    Sorry Wolfgang….habe soeben erst gesehen, dass eigentlich Hubert der Verfasser des Artikels ist.



  4. Hubert  19.02.2010 - 16:19

    @ Wolfgang: du hast sicher Recht: Angebotserstellung und Gästeinformation sind wesentliche Aufgaben des Tourismusvereins. Aber beispielsweise Drucksorten (also Marketing) verschlingen meiner Meinung nach auch einen erheblichen Anteil der Geldmittel, oder?

    @ Matthias: danke für die Richtigstellung: ich hatte die Information nur aus der Zeitung und da war es so formuliert

    Meines Wissens nach wurde in den letzten Jahrzehnten ja auch in Südtirol öfters über die Einführung einer verpflichtenden Tourismusabgabe (pro Gast & Nacht) diskutiert. Ich kenne aber leider die genauen Gründe nicht weshalb diese schlussendlich nicht eingeführt worden ist … in unseren Nachbarländern scheint das System ja zu funktionieren



  5. Wolfgang  19.02.2010 - 16:33

    @ Matthias: kein Problem, ich verzeih dir ;)
    @ Hubert: Die Drucksorten die ein TV erstellt sehe ich zu weiten Teien als reine Gästeinformation (Flyer für Events, Info über Skibusdienste, Unterkunftskatalog, etc) Hier gilt es nur Zahl und Qualität und damit wiederum die Kosten zu optimieren.

    Wenn ein TV einen Anruf oder eine Mail bekommt mit Bitte um Katalogversand und der wird dann verschickt, dann ist das auch immer noch nur indirekt in die Schublade “Marketing” zu werfen sofern der Gast nicht duch eigene externe Marketingmaßnahmen auf die Website des TV geholt wurde (denn das ist wie schon gesagt ja im Grunde nicht die Aufgabe eines TV)



  6. Matthias  19.02.2010 - 16:39

    @Hubert: ich weiß, dass Herr Lanzinger Erwin (Präsident LTS) ein großer Verfechter und Kämpfer für die Einführung einer verpflichtenden Tourismusabgabe war – und das jahrelang. Soweit ich informiert bin scheiterte es allerdings aufgrund großer Einwände und Widerstandes von Seiten des HGV. Wie der HGV dies mittlerweile sieht, weiß ich leider nicht. Leider gibt es aber immer wieder unglückliche Aussagen, die darauf schließen lassen, dass die Meinungen hierzu doch noch sehr auseinander gehen. So z.B. jene Aussage der “Revolutiönchen-Idee” von Herrn Meister im Zuge der Streichung des Rotationsfonds. Ich glaube es liegt wie Wolfgang vermutet am mangelnden Verständnis und der fehlenden Weitsicht der (meisten) Betriebe zum Wert und Sinn und Zweck der Vereine und Verbände.
    Leider scheint dies das Hauptproblem zu sein und auch zu bleiben.



  7. Matthias  19.02.2010 - 16:44

    @Wolfgang: Genau darin sehe ich die Gefahr, wenn die Arbeit der Tourismusvereine und der Tourismusverbände nicht verstanden wird. Zur Zeit werden 98 % der Drucksorten der Hochpustertaler Tourismusvereine gemeinsam über den TVB gedruckt. Dies spart einerseites sehr viele Kosten und bringt in 2. Linie auch marketingmäßig den Vorteil des verstärkten gemeinsamen Auftritts unter dem Namen Hochpustertal. Ein Katalog, eine Wanderbroschüre, eine Ski-Informationsbroschüre für alle Orte. Dies macht es den Gästen wesentlich einfacher sich im Dschungel der Drucksorten zurecht zu finden, andererseits wird dieses Material durch Postversand, Auflage sowie Verteilung auf Messen auf den Märkten verteilt und stärkt somit in Summe auch die Aufmerksamkeit für die einzelnen Ortschaften/Tourismusvereine.



  8. Hubert  19.02.2010 - 16:55

    Desinformation hinsichtlich der Aufgabenverteilung zwischen Tourismusvereine, Tourismusverbände und SMG ist sicherlich ein Thema … etwas Informationsarbeit würde diesbezüglich sicherlich helfen. Zu sagen, dass die Tourismusvereine derzeit kein Marketing betreibt (ausser eine gezielte Kampagne des TVs ist Auslöser der Prospektnachfrage) scheint mir nicht korrekt – sorry Wolfgang wenn ich dir da widerspreche ;) . Andererseits gibt es wie von Matthias beschrieben ein erhebliches Synergiepotential wenn sich der TVB um die Drucksorten kümmert. Meine Frage dann: hat der TVB dann Marketingaufgaben? Wenn es schon so erhebliche Synergiepotentiale gibt, wieso wird dann das Thema Drucksorten (Produktion, Handling, Versand) nicht landesweit zentralisiert?



  9. Matthias  19.02.2010 - 17:08

    Ich glaube die Desinformation liegt nicht auf der Schiene TV – TVB -SMG, sondern auf der Schiene TVB/TV/SMG – Betriebe. Die Zusammenarbeit der Tourismusorganisationen untereinander klappt meiner Meinung nach bereits ziemlich gut.

    Seitdem TVB Hochpustertal, die 5 Tourismusvereine und das Skizentrum Hochpustertal einen gemeinsamen Internetauftritt betreiben, läuft ein Großteil der Anfragen zentral im TVB zusammen und wird von hier aus verschickt – die Synergie in Handling und Versand ist somit bereits gegeben. Außerdem werden dadurch die Kosten für die Wartung des Internetauftritts sehr stark eingedämmt bzw. gebündelt.



  10. Hubert  19.02.2010 - 17:22

    @ Matthias: ja war auch so gemeint: die Betriebe wissen nicht welche Aufgaben der TV, welche der TVB und welche die SMG übernimmt. Dass die Information zwischen den Organisationen nicht funktioniert stelle ich gar nicht in Frage.



  11. Wolfgang  19.02.2010 - 22:33

    @ Hubert: Zum Satz “…zu sagen, dass die Tourismusvereine derzeit kein Marketing betreiben (ausser eine gezielte Kampagne des TVs ist Auslöser der Prospektnachfrage) “: Sowas hab ich nie gesagt! Eben betreiben Sie z.T. schon Marketing wobei ich die Effizienz dieser Aktionen anzweifle. Hab mich vielleicht zu unklar ausgedrückt. Sorry dafür .
    Rest find ich richtig, vonwegen Synergien nutzen. Funktioniert z.T. schon relaitv gut wie Matthias beschrieben hat. Zur Informationskette SMG>TVB>TV>Betriebe kann ich nichts sagen, fällt nicht in meinen Aufgabenbereich.



  12. Hubert  22.02.2010 - 11:27

    @ Wolfgang: sorry für meine missverständliche Zitierung …



  13. Tommy  03.09.2010 - 16:19

    So, ich wollte auch mal was reinwerfen:
    Ich finde, dass diese Zusammenschlüsse wohlmöglich die einzige Chance für die Hotelbetriebe ist, zu überleben. Es gibt sooo viele Hotels, dass das Geld der urlauber sich auf immer mehr verteilt, sodass für das einzelne hotel nicht mehr viel übrig bleibt. und dieses geld können sie ja dann nicht auch noch für Werbung verpulvern. So ist das eigendlich die beste lösung.



  14. www.tourismus.org  29.03.2011 - 14:55

    Angebotsgruppen und tourismusorganisationen freunde oder feinde.. Not so bad :)



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