09.12.2009 - 13:16       Geschrieben von Hubert

Wellness in der Commodity-Falle


Seien wir ehrlich: Wellness wie wir es bisher kennen lockt mittlerweile kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor. Weshalb auch? Ich beispielsweise gehe einmal wöchentlich in die öffentliche Sauna in Brixen und finde dort ein Produkt vor das zweifelsohne mit eine schönen 4-Sterne-Hotel konkurrieren kann. Wieso sollte ich dann einen Wellness-Urlaub suchen? Der Mensch sucht im Urlaub das “Aussergewöhnliche”, möchte aber gleichzeitig das “Gewohnte” nicht missen. Nur wer das “Aussergewöhnliche” findet wird den Freunden begeistert vom Urlaub erzählen und auch noch einen zweiten Urlaub in diesem Hotel verbringen wollen. 

Als Marketer würde ich sagen, dass Wellness zu einem Commodity-Produkt geworder ist. Typische Commodity-Güter sind Strom, Benzin, Zucker etc und zeichnen sich dadurch aus, dass sich das Produkt kaum von einem Anbieter zum anderen unterscheidet. Im heutigen Wirtschaftskurier spricht der Tourismusberater Manfred Kohl – den ich persönlich sehr schätze - von einem Wellnessüberangebot. Ich würde viel mehr von einem Ideenunterangebot sprechen. Das Wort Wellness bedeutet “Wohlbefinden” und ist als solches einfach zu weitläufig. 90% der Hoteliers beschränken ihr “Wohlbefind-Angebot” auf Schwimmbad, Saunen, Whirlpool und Massagen. Um “Wohlbefinden” zu bieten muss der Hotelier aber in erster Linie verstehen was beim modernen Menschen “Unwohlbefinden” verursacht und dafür GEZIELT ein geeingnetes Produkt liefern. Menschen stehen unter psychologischen Druck und suchen nach Ausgleich, haben Zoff mit dem/der Partner/in und versuchen mit einem Urlaub ihre Partnerschaft zu retten, fühlen sich erschöpft und suchen nach neuer Energie, gefallen sich nicht bzw möchten etwas an ihrem Körper ändern, haben vergessen wie schön es ist ein Buch vor einem Kaminfeuer zu lesen oder wie sich Stille anhört. Bei diesen Gründen des Unwohlbefindens ist eine Sauna ein “Nice-to-have”-Element aber reicht noch nicht aus um dem Anspruch “Wohlbefinden / Wellness” gerecht zu werden. Hoteliers die es verstehen, gezielte Angebote für die unterschiedliche Lebenssituationen der Menschen zu schaffen, müssen sich keine Sorgen um Ihre Zukunft machen. Betriebe die unter Wellness ausschliesslich ihr Schwimmbad und ihre Sauna können über diese Schiene kaum mehr einen (nachhaltigen) Wettbewerbsvorteil erzielen.





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  1. Daniela Kämmerer  15.01.2010 - 15:00

    Ich denke, ob man Wellness als Commodity-Produkt bezeichnen kann, ist nicht zuletzt auch abhängig von der Zielgruppe. Natürlich gibt es regelmäßige Saunagänger und andere “Alltagsentschleuniger”. Ich denke aber, dass es nach wie vor auch viele Menschen bzw. Reisende gibt, die sich diese Auszeiten im Alltag nicht gönnen und für die die “Standard”-Wellnessangebote noch immer attraktiv sind.
    Aber es stimmt – es kommt natürlich darauf an, wie gut das Angebot gestaltet wird. Je nachdem welche Zielgruppe man erreichen will, und wie verwöhnt diese in Sachen Wellness ist bzw. was “Wellness” für sie bedeutet, muss man da mehr oder weniger kreativ sein.



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